Industrieforschungsplattform WAVE-H2 eingeweiht

17.09.2026

Den Einsatz fossiler Energieträger in der Industrie reduzieren und Prozesse flexibler, resilienter und klimaneutraler gestalten: Das ist das Ziel der vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderten Industrieforschungsplattform WAVE-H2. Die neue Transferinfrastruktur der Universität Stuttgart in Freudenstadt bietet Unternehmen und Betrieben, die Anlagen, Komponenten und Software für die Industrie herstellen, eine realitätsnahe Umgebung, um neue Energie- und Wasserstofftechnologien zu entwickeln, in bestehende Systeme zu integrieren und im industriellen Maßstab zu erproben.

Offizielle Eröffnung der WAVE-H2 Industrieforschungsplattform: v.l.n.r.: Prof. Peter Birke (Fachgebietsleiter am ipv), Prof. Peter Middendorf (Rektor Universität Stuttgart), Cem Özdemir (Ministerpräsident Baden-Württemberg), Petra Olschowski (Wissenschaftsministerin Baden-Württemberg), Prof. Alexander Sauer (Direktor EEP), Adrian Sonder (Oberbürgermeister Freudenstadt), Andreas Junt (Landrat Freudenstadt).

Innovationen vom Labor in die Praxis bringen

„Mit WAVE-H2 haben wir jetzt etwas erreicht, auf das viele so lange hingearbeitet haben: eine Testumgebung für Wasserstoff in industriell relevanter Größenordnung“, erklärt Dorothee Bär, Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, anlässlich der Eröffnung des neuen WAVE-H2-Standortes in Freudenstadt. „Innovationen kommen so schneller in die Praxis. Unternehmen werden bei der Umstellung auf nachhaltigere Produktionsmethoden unterstützt. Wir stärken die Region und gleichzeitig den Industriestandort Deutschland.“

Cem Özdemir (r.) (Ministerpräsident Baden-Württemberg) und Prof. Peter Middendorf (l.) (Rektor Universität Stuttgart) beim Eröffnungssymposium.

„Wenn wir unsere Klimaziele erreichen und gleichzeitig unseren Wohlstand sichern wollen, brauchen wir Innovationen, die den Weg aus dem Labor in die Praxis finden. Wasserstoff ist dafür ein zentraler Baustein“ betont Cem Özdemir, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg. „Mit WAVE-H2 haben wir eine Forschungsplattform, die genau das leistet, was wir brauchen: Wissenschaft und Industrie ziehen dort an einem Strang, damit aus einer guten Idee im Labor tatsächlich ein Produkt wird, das unsere Betriebe am Ende nutzen können. So kommen gute Ideen aus der Forschung dahin, wo sie gebraucht werden.“

„Der WAVE-H2-Campus in Freudenstadt zeigt, wie die Verzahnung von Wissenschaft und Wirtschaft funktioniert: Hier werden der Zugang zur Spitzenforschung, Test- und Entwicklungsinfrastruktur und Partnerschaften von Anfang an zusammengedacht“, sagt Petra Olschowski, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg. „Das ermöglicht schnelle Innovationszyklen und eine enge Rückkopplung zwischen Praxis und Anwendung und macht unseren Standort zukunftsfähig. So lassen sich gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen bei der Dekarbonisierung und der Energieversorgung der Zukunft finden.“

Gesamte Wasserstoffwertschöpfungskette abdecken

Mit der neuen Industrieforschungsplattform auf dem Gelände in Freudenstadt geht der zweite WAVE-H2-Standort an den Start. Er ergänzt die im Januar 2026 eingeweihten Innovationsmodule von WAVE-H2, die auf dem Gelände des Campus Stuttgart-Vaihingen an der ARENA 2036 angesiedelt sind. „Wir sind stolz auf diese neue Infrastruktur, die Forschung und Transfer verbindet“, erklärt Prof. Peter Middendorf, Rektor der Universität Stuttgart. „Sie bietet ideale Voraussetzungen, um nachhaltige Energielösungen zu erforschen und in die Praxis zu bringen, mit denen wir die Industrie klimaneutraler machen und die Transformation der Wirtschaft vorantreiben können.“

WAVE-H2 deckt die gesamte Wasserstoffwertschöpfungskette ab, von der Erzeugung und Power-to-X-Technologien über die Entwicklung chemischer Wasserstoffspeicher- und Brennstoffzellentechnologien bis hin zu dezentralen Wasserstoff-Nutzungskonzepten. Forschende und Unternehmen nutzen die Innovationsmodule in Stuttgart für Experimente im Labormaßstab. Die Industrieplattform in Freudenstadt ermöglicht nun auch die Erprobung im industriellen Maßstab. Die Institute für Energieeffizienz in der Produktion (EEP) und für Photovoltaik (ipv) der Universität Stuttgart haben WAVE-H2 aufgebaut und betreiben die neue Forschungs- und Transferinfrastruktur.

Wasserstofftanks auf der WAVE-H2-Plattform: Hier werden 470 kg Wasserstoff gespeichert.

Produktionssysteme energieeffizient und flexibel gestalten

„Technologien, die grünen Wasserstoff integrieren, öffnen der Industrie einen weiteren Transformationspfad zur Klimaneutralität“, erklären Prof. Alexander Sauer, Direktor des EEP, und Prof. Peter Birke, Fachgebietsleiter für elektrische Energiespeichersysteme am ipv. „Grüner Wasserstoff kann die Industrie insbesondere dort nachhaltiger machen, wo Prozesse hohe Temperaturen erfordern und eine direkte Elektrifizierung nur eingeschränkt möglich ist“. So kann Wasserstoff beispielsweise fossiles Erdgas in industriellen Brennern und Öfen ersetzen, etwa beim Schmelzen, Härten, Trocknen oder in Recyclingprozessen, und dadurch die CO₂-Emissionen deutlich reduzieren. Darüber hinaus kann überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien mithilfe von Elektrolyseuren in Wasserstoff umgewandelt und gespeichert werden. Bei Bedarf lässt sich der Wasserstoff anschließend in Brennstoffzellen oder Blockheizkraftwerken wieder zur Strom- und Wärmeversorgung eines Produktionsstandorts einsetzen.

WAVE-H2 schafft die Infrastruktur, um solche Anwendungen und ihr Zusammenspiel unter realitätsnahen Bedingungen im Labor- und Industriemaßstab zu erforschen und zu erproben. Dabei geht WAVE-H2 über die Entwicklung und Erprobung einzelner H2-Komponenten, wie zum Beispiel Elektrolyseuren, weit hinaus und bettet sie ein in digitalisierte, KI-gestützte Produktionssysteme, die resilient, energieeffizient und flexibel sind. 

Brennstoffzelle: Sie verwandelt Wasserstoff in elektrische und thermische Energie. Wie das funktioniert erklären Prof. Alexander Sauer (l.) und Prof. Peter Birke (r.)

Unterschiedliche Verbraucher einbinden

Auf dem Campus Stuttgart-Vaihingen erforschen die Wissenschaftler*innen unter anderem wie Wasserstoff mittels Elektrolyse gewonnen und zu Gasen wie Methanol oder Ammoniak weiterverarbeitet werden kann. Ein Brennstoffzellen-Teststand ermöglicht die Forschung an der Umwandlung chemischer Energie von Wasserstoff in elektrische Energie und Wärme. In Freudenstadt steht neben der Erprobung einzelner Komponenten und Anlagen vor allem die dynamische Energieerzeugung, -wandlung, -speicherung und -nutzung in Gesamtsystemen im Fokus. Die Plattform ermöglicht unter anderem auch die Integration verschiedener Verbraucher, um Wasserstoff im Produktionsprozess flexibel zu nutzen und damit die Versorgung kostengünstig und resilient zu gestalten.

Quelle: © Universität Stuttgart, Dr. Jutta Witte

Bilder: © Universität Stuttgart, Max Kovalenko